“Der Bedarf an Nahverkehr wird durch den Bus unterstützt.”
Demminer Zeitung, Artikel von Jana Otto vom 29.01.2011
Das kleine Dorf Törpin ist einer von vier Orten in Mecklenburg-Vorpommern, die sich an dem Modellvorhaben “Neue Dorfmitte” beteiligen. Dieses Gemeinschaftsprojekt verschiedener Ministerien des Landes möchte beispielhaft die Nahversorgung im ländlichen Raum sicherstellen.
In Törpin geht es konkret um die Einrichtung eines sogenannten Bürgerbusses. “Er soll dafür sorgen, dass die Menschen im Dorf einen größeren Aktionsradius bekommen”, erläutert Helmut Pratzel, Vorsitzender des Vereins Törpiner Forum.
Grundgedanke des Vorhabens ist die Tatsache, dass im ländlichen Raum immer mehr Strukturen wegbrechen und die dort lebenden Menschen oftmals in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Der Bürgerbus soll dieser Entwicklung kompensierend entgegenwirken. “Vieles wäre wieder erreichbar”, ist sich Pratzel sicher. So könnte beispielsweise regelmäßig der Konsum in Sarow angefahren oder Gemeinschaftstouren zu verschiedenen Ärzten organisiert werden. Gleichzeitig könnten mit dem Bus die unterschiedlichsten Hol- und Bringedienste etabliert werden. Das Fahrzeug, das aus Fördermitteln dafür angeschafft wird, muss sich von den Betriebskosten her selbst tragen. “Das könnte über Spenden laufen”, findet Helmut Pratzel. Dem Nutzer stehe es also frei, etwas zu zahlen. Der Fahrer sollte ehrenamtlich tätig sein. “Es gibt ja sowieso schon Fahrgemeinschaften unter den Bürgern, warum nicht über einen Verein”, meint Helmut Pratzel. Er betont, dass sich dieses Projekt nicht zu einem Wirtschaftszweig entwickeln soll, und er sieht es auch nicht als Konkurrenz zum Öffentlichen Personennahverkehr. “Der Bedarf an Nahverkehr wird durch den Bürgerbus unterstützt”, meint der Vereinsvorsitzende.
Bis zum April dieses Jahres soll eine Kommission die Modellstandorte analysieren. Helmut Pratzel rechnet quasi täglich damit, dass die Verantwortlichen sich in Törpin und Umgebung umsehen. Von Mai bis Juli sollen die Standorte eingerichtet werden, gleichzeitig wird das Vorhaben dann in die Praxis umgesetzt, für anderthalb Jahre.
Wenn sich dieses Konzept behauptet und es von den Bürgern angenommen wird, könnten derartige Bürgerbusse bald im ganzen Land etabliert werden, ist sich Helmut Pratzel sicher.
Für ihn bedeutet dieses Projekt viel bürokratischen Aufwand. So müssen beispielsweise regelmäßig Zwischenberichte abgeliefert werden und letztlich soll Ende 2012 ein Abschlussbericht vorliegen. Nichtsdestotrotz ist Helmut Pratzel froh, dass so ein wichtiges Modellprojekt in dieser Region umgesetzt werden kann.
Weitere Modellprojekte:
Schlatkow (LK Ostvorpommern):
Einrichtung einer Versorgungsstelle im Gutshaus; bessere Koordinierung der mobilen Anbieter vor Ort
Altenpleen (LK Nordvorpommern):
Fachliche Beratung/Begleitung und Weiterentwicklung des wiederbelebten alten Konsums
Brunow (LK Ludwigslust):
Ausbau/Erweiterung einer vorhandenen Verkaufsstelle; Ergänzung um Dienstleistungen
Beteiligte Ministerien: Verkehrsministerium, Wirtschaftsministerium, Landwirtschaftsministerium, Innenministerium