Vortrag am 22.07.2009 um 18 Uhr Fritz Reuter-Haus Altentreptow von Prof. Dr. Dr. Helmut G. Pratzel, Vorsitzender des Seniorenbeirat Landkreis Demmin e.V.
Immer mehr Menschen erreichen ein immer höheres Alter. Immer weniger Kinder werden geboren. Junge Menschen wandern in wirtschaftlich begünstigte Gegenden.
Der Bevölkerungsrückgang ist ein europäisches Problem, jedoch sind Mecklenburg-Vorpommern und besonders der Landkreis Demmin davon am stärksten betroffen. M-V wird im Jahr 2020 5,8% weniger Einwohner haben, Demmin 5,9%. Der Anteil der 80jährigen steigt in MV bis 2025 auf etwa das Doppelte und die Zahl der 2jährigen geht in dieser Zeit in MV um 31,4% und in Demmin um 46,5% zurück. Wenn im Amtsbereich Altentreptow 2006 der Anteil der 65jährigen noch 20 % beträgt, so wird er 2015 auf 26,7%, 2040 auf 36% und 2050 auf 57,4% steigen.
Wer heute in Rente geht, hat noch mehr als ein Viertel seines Lebens vor sich! Wir können nicht hinter dem Ofen sitzen und auf das Ende warten! Wir müssen unsere Lebensläufe anders konzipieren, sie an die viel längere Lebenserwartung anpassen. Es kommt nicht nur darauf an, wie alt wir werden, sondern wie wir alt werden und es gilt nicht nur dem Leben Jahre zu geben, sondern den Jahren Leben zu geben. Der 50jährige kann heute gleichzeitig 5 familiäre Rollen haben: Mann seiner Frau, Vater seines 25jährigen Sohnes, Großvater seines 2jährigen Enkels, Sohn seiner 75jährigen Mutter und Enkel seiner 95jährigen Großmutter. Aber die Alten leben immer häufiger in 1-Personenhaushalten und sind in vielen Fällen auf fremde Hilfe angewiesen.
Ein 75jähriger ist noch nicht pflegebedürftig, aber gewisse Einschränkungen in der Mobilität, der Feinmotorik, der Sensorik, der Sensibilität und der Kraft und Ausdauer belasten den täglichen Lebensablauf.
Um die Hinfälligkeit oder gar Pflegebedürftigkeit dieser Menschen zu vermeiden brauchen wir eine präventive Umweltgestaltung, um Barrieren zu erkennen und eine Umwelt zu schaffen, die zu Aktivitäten motiviert. Wir brauchen die Älteren in der Wirtschaft, in der Politik und in der Verwaltung. Damit die älter werdende Gesellschaft nicht zu einem Problem wird, muss sich jeder Einzelne und die Kommune rechtzeitig auf die künftigen Herausforderungen einstellen. Es geht nicht nur um die Frage, was kann die Gesellschaft für die Senioren tun, sondern auch um die Frage, was können die Senioren für die Gesellschaft tun; und sie tun schon sehr viel. Viele Beispiele werden zum ehrenamtlichen Engagement erläutert.
Dennoch gibt es viele politische Herausforderungen, die auch in den Beschlüssen des 6. Altenparlaments M-V in Schwerin am 25. Juni 2009 thematisiert wurden:
- Auf ein realistisches Altersbild hinwirken, die Potenziale und Fähigkeiten deutlich machen
- Förderung des bürgerschaftlichen Engagements
- Stärkung politischer Mitgestaltungs-, Mitwirkungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten
- Sicherung der gesundheitlichen Versorgung
- Ausbau von Prävention und Rehabilitation
- Qualifizierung der Pflege
- Vernetzung der pflegerischen Dienste
- Lehrstühle für Geriatrie schaffen
- Ausbildung aller medizinischen Berufe in Gerontologie/Geriatrie
- Ausbau der Palliativmedizin
- Förderung der Arbeit der Hospizbewegung
- Der Altersarmut entgegen wirken
- Gesundheitsbildung im Hinblick auf einen Lebensstil, der eine lange Gesundheit im Alter erlaubt.
So sollte sich jede Kommune die Frage stellen: Ist sie familienfreundlich, ist sie seniorengerecht?
Seniorenbeiräte sollten in allen Kommunen gegründet werden, um die Interessen und Wünsche für die Gestaltung einer altengerechten Zukunft zu bündeln. Sie sollten als beratende Organe für politische Fragen die richtigen Ansprechpartner sein.
Machen wir die gewonnenen Jahre zu erfüllten Jahren! Ein gesundes und kompetentes Altwerden ist in unserer langlebigen Zeit geradezu Verpflichtung,
- für jeden Einzelnen, selbst etwas zu tun, für sich und andere und
- für die Gesellschaft, die entsprechenden Rahmenbedingungen und Möglichkeiten dazu zu schaffen.
Anmerkung: Der Vortrag wird am 03.09.2009 um 19 Uhr im Demminer Rathaus wiederholt.